25! dokumentART
11. - 15.11.2016
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Tausende Bilder noch im Kopf

Tausende Bilder noch im Kopf

Kornel Miglus

Filmemacher, Jurymitglied 1998, Programmgremiumsmitglied, Kurator der Werkschau Marcel ?ozi?ski und der Retrospektiven „Polnische Dokumentarfilme der Nachkriegsjahre“ und „Die Oder-Neisse-Grenze im deutschen und polnischen Dokumentarfilm“ 2007

Es waren die Hügel und eine nicht endende Landstraße. Ich hatte keinen Schimmer wo Neubrandenburg liegt und neben mir saß ein sichtlich abgenervter Marcel ?ozi?ski, ein Ehrengast im Rahmen des Programms, das ich für das Festival kuratierte. Dann, als ich ein Jahr später die Funktion des Jurors begleitete, musste ich schmunzeln, als ein russischer Juror so lange die Sitzung blockierte, bis der russische Beitrag einen Preis bekam. Übrigens habe ich mich damals bei der Entscheidung völlig verkalkuliert, so dass ich all meine Geheimfavoriten in dem ganzen hin und her völlig vergaß. Es tat mir später wirklich leid, da es kleine und starke Filme waren. Ich hoffe, die Filmemacher werden mir irgendwann vergeben.Bei dokART habe ich auch ein paar junge Talente aus Polen kennengelernt, die ihre ersten Schritte auf dem internationalen Festivalparkett wagten. Ma?gosia Szumowska, Bartek Konopka, Micha? Englert, Leszek Dawid, um nur einige zu nennen, sind heute feste Größen im europäischen Filmgeschäft. Mit Ma?gosia haben wir einige Zeit später gemeinsam ihren zweiten Spielfilm produziert.

Damit endete aber nicht mein Abenteuer mit dem dokART Festival: Ich wurde zu der Programmkommission eingeladen. Es war aufregend und lehrreich. Wochenlang saßen wir gemeinsam mit den anderen Kollegen aus der Auswahlkommission im Radisson Hotel. Stundenlange Sichtungen und immer das gleiche Frühstück. Als die Chinesen dann einmal über vierzig geklonte Dokumentarfilme bei dokART eingereicht hatten, habe ich mir bei einem orthopädischen Laden ein Luftkissen geleistet, um die Kreuzschmerzen zu mildern. Mein Kopf war bereits leergespült. Im Laufe der finanziellen Kürzungen wurden beim Festival diese Posten gespart und das Festivalprogramm weiterhin „intern“ gesteuert. Unsere Wege haben sich getrennt -  das hatte zumindest den wunderbaren Nebeneffekt, dass sich mein Rücken wieder erholte - oder war es dank Yoga?

Die Begegnung mit dokART war für mich eine schöne Zeit - eine Vermischung aus dem Luxus, Filme aus allen Ländern zu sehen, mit spannenden Leuten zu diskutieren und den Charme der mecklenburgischen Provinz zu erkunden. Es war auch eine wunderbare Begegnung mit Menschen mit einer kulturellen Mission, die trotz aller politischen Widrigkeiten ein spannendes Festival auf die Beine stellen konnten - aber auch die traurige Geschichte vom Sexshop „Orion“, die mir ein Taxifahrer in Neubrandenburg erzählte. Und einige tausend Bilder, die ich beim Festival gesehen habe, flimmern immer noch in meinem Kopf.

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