25! dokumentART
11. - 15.11.2016
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Rückblick

Rückblick

Madeleine Dewald und Oliver Lammert

Hamburg 2016

Der Filmemacher Oliver Lammert war wie Madeleine Dewald Gast der dokumentART zu den gemeinsam produzierten Filmen „Das Erbe der Bilder“ (1995), 1996 zum CD-Projekt „Vom Hirschkäfer zum Hakenkreuz“ und 1997. Am Podiumsgespräch „Der Dokumentarfilm im Clinch der elektronischen Medien“ (Moderation: Trevor Peters) nahm er 2002 teil.

Die dokumentART war eines der ersten Festivals, zu dem wir 1995 als junge Filmemacher mit DAS ERBE DER BILDER eingeladen waren. Die Atmosphäre in der kleinen Stadt Neubrandenburg war familiär – wir alle, Filmemacher, Filmkritiker, Produzenten und das Festival-Team mit Leiterin Claudia Dietrich saßen ab 10 Uhr morgens im Kinosaal und nach dem letzten Film wanderten wir in die gleiche Bar. 

Die nächtelangen Debatten konnten wir nur deshalb führen: wir hatten alle die gleichen Filme gesehen, es gab kein Parallelprogramm. Die Filme waren großartig – polarisierend, radikal subjektiv, still oder streitbar. Und gefeiert wurde auch. Unsere Lieblingserinnerung: Auf dem großen Platz vor dem Hotel, nachts um 3, Musik von irgendwoher und der finnische Filmemacher Tahvo H. tanzt mit der um zwei Köpfe kleineren Regisseurin Martina K. Tango. Hmm, aber das war ein Jahr später, 1996. Da hat sich die dokumentART getraut, uns mit einer non-linearen Arbeit einzuladen, der filmhistorischen CD-ROM „Vom Hirschkäfer zum Hakenkreuz“. Den Mumm musste ein Festival in der Zeit erstmal haben! Zur Vorführung saßen wir mit 50 Menschen um einen Mac IIci – erst nach mehreren Durchläufen hatten alle die Arbeit gesehen.Und zu unserer großen Freude wurden wir mit dem Latücht-Preis ausgezeichnet!   

Aus diesem Jahr ist uns ein Film nachhaltig in Erinnerung geblieben: „Mother Dao, the Turtlelike“ ein berührendes Kunstwerk aus Found Footage von Vincent Monnikendam, getragen von indigener Musik und Poesie mit einer seltsam rhythmisch-klackernden Sprache.    

Nach 1996 wurden unsere Filme länger. Leider passten sie nicht mehr in das Programmkonzept der dokumentART, Dokumentarfilme bis 60 Min. Länge zu zeigen.

# Madeleine

1997 wurde ich in die Internationale Jury eingeladen, zusammen mit Petra Tschörtner, Mark Soosaar, Mirja Metsola und Antonia Carnerud. 35 Filme aus 15 Ländern liefen im Wettbewerb. Nach langen Diskussionen war es heraus: "Die unauffindbaren Flugkörper“ (Neatrasti skraidantys Objekta) von Audrius Juzenas und "Gigi, Monica … et Bianca" von Yasmina Abdellaoui & Bernoit Dervaux – ein Film über das Leben einer Gruppe von Straßenkindern am Bukarester Bahnhof, darunter das Liebespaar Gigi und Monica. Mit kindlicher Energie trotzten sie ihrem harten Leben und rangen ihm ein Stück Freiheit ab. Doch dann wird Monica schwanger …

Als Mitglied der Programmkommission für die 11. dokumentART sichtete ich im heißen Sommer 2002 zwei Wochen lang zusammen mit Festivalleiter Holm-Henning Freier, Hans-Jörg Rother, Eduard Schreiber und Katrin Sell viele hundert Filme, großteils noch von VHS. Das ist ein harter Job, wenn man alle Filme gleich behandeln will. Oft mussten wir nach der 10. Stunde Sichtung auch einfach sagen, dieser Film kommt morgen noch mal dran, unsere Konzentration reicht nicht mehr aus. Die Entscheidungen fielen tatsächlich meistens einstimmig oder zumindest nach dem Mehrheitsprinzip. Nur zwei Mal ging es hoch her. Schade, dass ich die Filme nicht mehr erinnere, um die wir uns gestritten haben.

Wir möchten zum Schluss an die wunderbare Regisseurin Petra Tschörtner erinnern, unsere Freundin aus dieser Zeit, die 2012 mit nur 54 Jahren viel zu früh gestorben ist.

Euch, der dokumentART wünschen wir alles Gute und gratulieren zum 25. Festivaljahr! 

Danke für die wunderbare Zeit!

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